Archiv Schwalbach
26.10.11
Schwalbach (Höchster Kreisblatt)
Das Naturbad spaltet
Bei Schwarz-Grün herrscht Begeisterung, die Opposition ist skeptisch und hat viele Fragen – Ausschüsse beraten heute Kommt es, oder kommt es nicht? Die Parteien müssen nun Farbe bekennen, ob sie für oder gegen ein Naturbad sind. Wir haben die fünf Stadtverordnetenfraktionen gestern zu ihrer Haltung befragt.

Bei der schwarz-grünen Koalition zeichnet sich ab, dass sie den geplanten Naturbad-Bau absegnen wird. Zu ihrem "Ja" stehen die Grünen auch nach Kenntnis der Plan-Daten ohne Wenn und Aber. Der kleinere Partner in dem Zweier-Bündnis spricht sich jetzt für eine "zügige Realisierung des Naturbades" aus.
"Höchste Zeit"
"Wir wollen das Naturbad, und es ist finanzierbar", sagt Arnold Bernhardt für die Grünen. "Auf die Planung, die vom Parlament vor acht Monaten in Auftrag gegeben wurde, mussten wir sehr lange warten. Jetzt ist es höchste Zeit für die Entscheidung zum Bau. Denn wenn das Naturbad 2013 geöffnet werden soll, muss schon im kommenden Frühjahr das technische Feuchtgebiet angelegt werden." Trotz des klaren Bekenntnisses zum Bad ergänzt Bernhardt: "Die Detail-Planung muss noch optimiert werden. Bei der jetzigen Planung ist versäumt worden, die Funktionsgebäude für die Nutzung der Solartechnik nach Süden auszurichten. Das muss geändert werden."
"Es ist machbar"
Wie die Grünen hatte sich auch die CDU im Kommunalwahlkampf als Garanten für den Naturbad-Bau präsentiert. CDU-Fraktionschef Christian Fischer bekräftigt das: "Wir befürworten und unterstützen das Projekt. Wir sehen in dem Naturbad eine Chance für Schwalbach. Auf der Basis der vorliegenden Planung, die unsere Annahmen bestätigt hat, ist das Naturbad machbar." Fischer schränkt allerdings ein: "Wir wollen der heutigen Sitzung jedoch nicht vorgreifen. Sollten noch bisher unbekannte Informationen genannt werden, müssen diese in die Entscheidung einbezogen werden." Heute beraten zwei Fachausschüsse der Stadtverordneten über das Vorhaben (siehe "Info" unten).
Zu den Naturbad-Befürwortern gehört auch die Unabhängige Liste (UL). Fraktionsvorsitzender Enrico Straka legt dennoch ein gerütteltes Maß an Vorsicht an den Tag. "Es gibt im Planungsentwurf hypothetische Grundannahmen wie die Schätzung der Besucherzahlen und der Öffnungstage, die mir persönlich für eine seriöse Kostenplanung nicht ausreichend tragfähig erscheinen. Da werden wir nachbohren. An die schwarze Null bei den Betriebskosten glaube ich nicht. Wir müssen die Kosten aber im Blick haben. Wenn die Kosten explodieren und wir uns nur noch das Naturbad und sonst nichts mehr leisten können, wäre das fatal."
UL: Ganzjährig öffnen
Die UL möchte die Planung außerdem so nachrüsten, dass das Gelände ganzjährig attraktiv ist. "Die geplante Gaststätte müsste ganzjährig offen sein, im Winter sollte man auf der gefrorenen Wasserfläche Eislaufen können, und ein vom Schwimmbad getrennter Wasserspielplatz wäre wünschenswert", listet Straka auf.
Am heftigsten ringen zurzeit jedoch die Genossen um ihren Standpunkt zum Naturbad. "Eine Entscheidung zum Naturbad ist in der Fraktion noch nicht gefallen", sagt SPD-Fraktionschef Hartmut Hudel. "Wir haben das Thema und die Entwurfsplanung intensiv und sachlich diskutiert und eine Fragenliste an die Experten für die heutige Sitzung vorbereitet." Die SPD hatte bisher dafür plädiert, die Bevölkerung an einer künftigen Projektplanung für das Badgelände stärker zu beteiligen und ganzjährige Nutzungsalternativen zu prüfen. Die Sozialdemokraten bleiben skeptisch, ob das Naturbad von der Bevölkerung gewünscht wird. Hudel: "Wir müssen die realistischen Kosten dem gegenüberstellen, was wir dafür bekommen, und schauen, ob wir uns das leisten können. Wir gehen als SPD von sechsstelligen Jahresbetriebskosten aus. Die nur fünfmonatige Nutzbarkeit des Naturbades ist für uns auch vor diesem Hintergrund ein Problem."
"Zu hohe Folgekosten"
"Wir haben noch keine Entscheidung zum Naturbad getroffen", berichtet FDP-Partei- und Fraktionschef Ulrich Schneider. "Wir sind noch in der Prüfung." Der Liberale ergänzt: "Was wir aber schon sagen können, ist, dass die Investition geringer und zweckmäßiger sein muss. Insbesondere die Folgekosten sind zu hoch."
Die FDP-Fraktion hatte in den vergangenen Jahren mehrfach betont, dass ein Hallenbad unter der Beteiligung mehrerer Kommunen im Osten des Main-Taunus-Kreises die beste Lösung gewesen wäre. Mit dieser Forderung konnte sie sich jedoch nicht durchsetzen.

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